05.08.2007

Die Masterthesis - Erfahrungsbericht

Ein Erfahrungsbericht über die mit dem CUREMforschungspreis ausgezeichnete Masterthesis "Etude de l'effet des grandes infrastructures sur le développement urbain et élaborationd'un modèle à l'exemple de Genève" von Pierre Stämpfli

Jedes Projekt beginnt mit einer Idee; die Idee löst den Prozess aus.

Es war eine ambitiöse Idee, die für mich Neuland bedeutete. Die Idee war, den Einfluss der Verkehrsinfrastruktur auf die urbane Entwicklung zu analysieren, um daraus ein mathematisches Modell, das die Abhängigkeiten darstellen sollte, abzuleiten. Durch mein Architekturstudium hatte ich gewisse Grundlagen im Verständnis der urbanen Phänomene, von Verkehrsinfrastruktur und mathematischen Modellen hatte ich aber wenig Ahnung. So musste ich mich zuerst in das Thema einarbeiten, bevor ich das Konzept genau umschreiben konnte.

Ich habe in dieser Zeit Experten, einerseits aus der Welt der Modellbildung und andererseits Raumplaner, angesprochen. In den Diskussionen konnte ich die unterschiedlichen Möglichkeiten ausloten und neue Opportunitäten wahrnehmen. So konnte ich mich zum Beispiel mit unterschiedlichen Modellarten befassen. Eine Zeit lang war ich in Kontakt mit einem Professor der Universität in Lyon, der ein Spezialist der automatisierten digitalen Bilderanalyse ist. Er erklärte mir, dass man mit einer Anpassung seines Logarithmus die Siedlungseigenschaften von einer ganzen Region automatisch analysieren könnte. Die Idee war spannend, aber der Zeitrahmen wäre dabei deutlich gesprengt worden. Auch der Nutzen eines solchen Modells wäre durch die Verbreitung der georeferenzierten Datenbanken nicht unbedingt gegeben gewesen. In dieser Phase schien mir vieles unklar, das Vorwärtskommen war langsam und mühsam. Die Unklarheit nimmt man besonders in den Augenblicken wahr, in denen man versucht jemandem die Idee zu erklären und der Gesprächspartner Fragen stellt, welche keine klare Antwort finden. Dementsprechend wurden die Umrisse des Konzeptes iterativ und wiederum mit Hilfe von Gesprächen stufenweise erarbeitet.

Als das Konzept Ende März von der Schulleitung freigegeben wurde ging es dann endlich los… Es gab einzelne Besprechungen mit meinen Begleitern und vor allem viel Arbeit alleine. Die Arbeit an der Thesis war dabei von vielen Höhen und Tiefen geprägt, aber fast alles lief nach Plan.

Nach Abschluss der Masterthesis und ein Jahr später erhielt ich ein Telefon von Herrn Kloess hinsichtlich der Einladung zum Eröffnungsanlass des neuen Masterstudiengangs. Als ich Herrn Kloess erklärte, dass ich an dem Tag Ferien gebucht hatte, sah er sich gezwungen das Geheimnis preiszugeben. Drei Wochen später wurde meine Arbeit vor Publikum als beste Masterthesis des 1. Lehrgangs mit dem CUREMforschungspreis gekrönt. Es war der Anfang eines angenehmen und berührenden Abends in Zürich.

Rückblickend waren die Auseinandersetzungen und der Austausch während den Gesprächen entscheidend, um eine bessere Übersicht über des Thema zu erlangen, welche eine wissenschaftliche Behandlung des Themas ermöglichte. Als Ratschlag würde ich empfehlen, möglichst früh Kontakte zu suchen und mit unterschiedlichen Experten versuchen das Untersuchungsfeld besser kennen zu lernen und zu definieren. Dies ist umso wichtiger, wenn man mit dem Thema nicht besonders vertraut ist.

Pierre Stämpfli


Link:
CUREM Working Paper 03/2007